Glas als tragendes Element: wer gewinnt – wer verliert!

Bauelement: Fassade aus Glas

Noch Durchblick bei dem ganzen Glas?

Jetzt ist es raus: Das Deutsche Institut für Bautechnik hat ein Spezialglas zum allerersten Mal als tragendes Element zugelassen, wie die  aktuelle Ausgabe der Technology Review bereits berichtet. Da Architekten dieses neue Glas von nun an bei der Statik mitberechnen dürfen, öffnen sich ganz neue Pforten im Bauwesen: Treppen, Brücken und Geländer – alles kann jetzt durchsichtig gebaut werden. Transparenz am Bau bekommt dann gleich eine ganz neue Bedeutung, und während der „gläserne Kunde“ noch vor wenigen Jahren als diktatur-futuristische Schreckensvorstellung durch die Köpfe der Allgemeinheit schwirrte, so ist man doch zumindest dem gläsernen Bauherren nun ein wenig näher gerückt.
Eine schöne Optik ist die eine Sache, aber welche Auswirkungen kann es noch haben, wenn auf einmal vermehrt auf Glas gebaut wird? Einiges wird sich mit Sicherheit ändern, hier sind die ersten Überlegungen dazu.

Glasreiniger: Massenproduktion – Feuer frei!

Fensterputzer an Glasfassade

Glas = Schotter: Für ihn eine klare Rechnung

Werden die zukünftigen Glasimmobilien der Tod des Sandstrahlers? Was wird aus all den professionellen Fassadenreinigungsfirmen? Werden wir Zeuge des Sterbens eines ganzen Berufszweigs, wie man es schon beim Schuster, Bürstenmacher oder Hufschmied beobachten konnte? Werden nun Fensterputzer den Fassadenprofi so von seinem Gerüst drängen, wie schon die neumodischen Kehrmaschinen dem Straßenfeger an den Kragen gegangen sind? Eine durchaus berechtigte Frage.
Andere Wirtschaftszweige dagegen könnten boomen, wie zum Beispiel jene, die streifenfreie Putzergebnisse auf transparenten Flächen versprechen und jetzt schon weltweit Millionen von Haushalten und Reinigungsunternehmen mit ihren zumeist blauen Laugen beliefern.

Transparenz und Transpiration

Oh ja, Glas ist lichtdurchlässig und fördert die Hitzeansammlung, Gewächshausbetreiber können heiße Arien drüber singen. Die Besitzer schwarzer Kunststofflenkräder, die nichts von Schattenparken halten, übrigens auch. Bei zunehmend mehr Glas in und an Gebäuden wird die Klimaanlagenindustrie zwangsläufig vor neue Herausforderungen gestellt werden. Und wenn die versagt, dann kommt der Deo-Zweig der Kosmetikbranche voll auf seine Kosten. Die Bahn hat übrigens auch schon Bekanntschaft mit Klimaapparaten geschlossen, die in geschlossenen Zügen aufgrund überhitzter Schaltkreise ausgefallen sind. Die geplagten Fahrgäste kippten reihenweise aus ihren Flip-Flops, die ausgezahlten Überstunden der Mitarbeiter im Beschwerdemanagement glichen einem neuen Wirtschaftswunder.

Klirrfaktor Abrissbirne

Glasbruch im Glasgebäude

Zwiegespaltene Sache: Scherben

Reden wir von einer besseren Welt, in der man Bauschutt einfach zum Glascontainer tragen kann? Das wäre doch großartig, oder? Hier wären Recyclinghöfe die klaren Gewinner, und auch die Umwelt würde sich freuen: Kein Schutt, der sich niemals zersetzt und keine Bäume, die für Balken abgeholzt werden müssen.
Aber auch, wenn das Glas von der Statik her tragend ist: Wie sieht es mit Stößen aus? Wird demnächst bei einem spontanen Durchzug mehr kaputt gehen als nur die Scheibe, wenn das Fenster zufällt? Wie heftig scheppert es eigentlich, wenn so eine Abrissbirne auf ein Glasgebäude trifft? Wie weit fliegen die Scherben, wenn so ein Haus mal gesprengt werden sollte? Und vor allem: Wer macht die biestigen Kleinstscherben alle wieder weg, bevor sich spielende Kinder daran schneiden? Vielleicht erleben wir ja dann so etwas wie das glorreiche Comeback des Straßenfegers.
Oder sogar des Bürstenmachers.

 

(Bilder:
Fassade: I. Rasche  / pixelio.de
Putzer:    Dieter Schütz  / pixelio.de
Glasbruch: Klicker  / pixelio.de)

4 Gedanken zu „Glas als tragendes Element: wer gewinnt – wer verliert!

  1. AvatarGlas Vision

    Nur weil Glas erstmals als tragendes Element zugelassen wurde, kann ich mir nicht vorstellen das nun ganze Gebäude ausschließlich oder größtenteils aus Glas gebaut werden, dies würde einfach viel zu viele Nachteile mit sich bringen. Die Zulassung wird höchstens dazu führen, dass wir immer mehr transparente Gebäudeteile, wie etwa Treppen oder Geländer, zu Gesicht bekommen. Die Aussage aus diesem Artikel ist deshalb, wie ich finde, viel zu übertrieben.

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  2. AvatarSimons Garfunkel

    Haha,

    hier hat der Autor aber Stoff gegeben 😀

    Trotzdem: Wer weiß, was sich die Architekten nicht noch alles einfallen lassen werden. Gerade, wenn Dinge neu sind, sind die großen Visonen der Macher doch schier grenzenlos.

    Jemand, der sich selbst „Glas Vision“ nennt, sollte bei solchen Visionen doch eigentlich ein Auge zudrücken können, oder? ;-D

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  3. Avatarfinn

    Tragend ist wohl die Alu Konstruktion, selbstverständlich. Aber das Glas, welches solch eine große Fläche bedeckt, ist ja immer auffallend. Mit Lichtwerbung besonders! Für die Straßenbeleuchtung kann es auch seinen Beitrag leisten, indem die Sonnenstrahlen wegen Spiegeleffekt die Straßen und Gassen, sowie auch die Gesichter der Menschen etwas fröhlicher machen.

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