Grillcamp 2012: Steak ist nicht gleich Steak

Eine Woche ist vergangen, seit ich vom Grillcamp in Hamburg heimkehrte an den Rhein. Eine Zeitspanne, die ich in der Hauptsache mit Verdauung zugebracht habe. Zunächst möchte ich allen mein tief empfundenes Beileid aussprechen, die sich dieses kulinarische Highlight haben entgehen lassen. Aber keine Panik: Es wird im kommenden Jahr eine Neuauflage geben.

Da das Grillcamp 2012 das erste seiner Art in Deutschland war, sei das Prinzip noch einmal kurz erklärt: Es ist im Grunde wie Grillen mit Freunden, allerdings dauert es zwei Tage und die Auswahl an Grillbarem ist schier unerschöpflich. Ich habe noch nie an nur einem Wochenende so viel Fleisch in so vielen Variationen verspeist. Auch die Beilagen kamen dabei nicht zu kurz, deshalb ist das Event durchaus auch für Vegetarier zu empfehlen.

Steakvergleich im Grillcamp

Unsere acht Grillcamp-Test-Steaks.

Ein Grillcamp ist, wie Barcamps auch, eine Veranstaltung zum Mitmachen. Jeder Teilnehmer darf (und soll) seine Ideen und Erfahrungen teilen und in einer Grill-Session direkt ausprobieren. Ich hatte mir bis zum Morgen des ersten Camp-Tages noch nicht wirklich Gedanken gemacht, was ich zum Besten geben könnte, da ich meine sporadische Hobby-Grillerei nicht unbedingt als Referenz für Expertentum auf diesem Gebiet betrachte. Ich begriff dann schnell, dass es darauf gar nicht ankommt, denn gerade das Ausprobieren und Herumexperimentieren führte am Ende zu den interessantesten (und leckersten) Ergebnissen. Und da es an Fleisch weiß Gott nicht mangelte, warf ich meine bescheidene Zurückhaltung kurzerhand über Bord und einen Sack voll Steaks auf den Rost.

Die Idee ist nicht neu: Kann man mit günstigen Steaks anständige Ergebnisse erzielen? Wir haben acht verschiedene Steaks von verschiedenen Anbietern getestet. An den Start gingen: Deutsche Fährse, US Beef, New Zealand Beef und deutsches Entrecote vom Metzger sowie vier Vergleichssteaks von bekannten Discountern – im Detail: Rinder Hüftsteak, Entrecote, amerikanisches und irisches Rindersteak. Zugegeben, da gibt es schon Klassenunterschiede in der Vorauswahl, die wir bei der Bewertung natürlich berücksichtigen mussten.

Als Grillenthusiasten mit akademischem Anspruch, haben wir das Produkt zuvor einer exakten Vermessung unterzogen, um den Gewichtsverlust der einzelnen Steaks feststellen zu können. Beim Geschmackstest durfte jeder Sessionteilnehmer (oder wer sonst noch so am Grill vorbeilief) drei Favoriten benennen, allerdings als Blindverkostung, also ohne Kenntnis der Herkunft und der jeweiligen Qualitätsklasse. Hier die Ergebnisse in der Zusammenfassung (Steak, Gewicht vorher, Gewicht nachher, Schwund in Prozent, Stimmen):

  1. Deutsche Fährse, Metzger, 205 gr > 159 gr, -22%, 1 Stimme
  2. US Beef, Metzger, 262 gr > 224 gr, -15%, 3 Stimmen
  3. New Zealand Beef, Metzger, 230 gr > 193 gr, -16%, 5 Stimmen
  4. Deutsches Entrecote (Dry Age), Metzger, 236 gr > 226 gr, -4%, 5 Stimmen
  5. Rinder Hüftsteak, Discounter, 120 gr > 106 gr, -12%, 3 Stimmen
  6. Entrecote, Discounter, 216 > 191 gr, -12%, 2 Stimmen
  7. American Beef, Discounter, 322 gr > 307 gr, -5%, 0 Stimmen
  8. Irisches Rindersteak, Discounter, 225 gr > 179 gr, -20%, 5 Stimmen
Dry Age Entrecote

Sexy: Selbstgegammeltes Dry Age Entrecote.

Acht Grillcamp-Teilnehmer haben an der Verkostung teilgenommen, das macht bei drei Stimmen pro Nase, 24 zu vergebene Stimmen. Wie erwartet, hatten die teuren Stücke vom Metzger die Nase vorn – allerdings weniger deutlich als erwartet. Der durchschnittliche Gewichtsverlust lag beim Discount-Fleisch mit etwa 12% sogar leicht unter dem der Frischprodukte (14%). Fairerweise muss man sagen, dass das Fleisch vom Metzger auch etwas fetter war, als das Discountfleisch, was beim Grillen ja durchaus erwünscht ist, jedoch zu etwas mehr Schwund führt. Alles in allem war das Metzgerfleisch deutlich zarter, als die Discountprodukte.

Besonders das Entrecote und das American Beef vom Discounter fielen beim Test durch, weil sie recht schuhsohlig daherkamen. Positiv überrascht hat uns das Irische Rindersteak eines bekannten deutschen Discounters („Erstmal zu…!“). Für ein Supermarktprodukt absolut empfehlenswert! Die Betonung liegt hier auf „für ein Discountprodukt“, den Vogel abgeschossen haben ganz klar das Beef aus Neuseeland und das selbst-gegammelte Dry Age Entrecote, die beide an Geschmacksintensität und Zartheit nur schwer zu übertreffen waren. – Allerdings kosten sie auch das Doppelte.

Bilder: heimwerker.de

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