imm 2013 – heimwerker.de auf der Möbelmesse in Köln

Logo imm Cologne 2013

Heimwerker.de besucht die Möbelmesse! 15 Hallen, 1.157 Aussteller: Die „imm Cologne“ darf auch in diesem Jahr ohne Übertreibung als Nabel der Einrichtungswelt bezeichnet werden. Über 200 Hektar Wohnkonzepte, dazu noch eine anderthalb Hallen umfassende spezielle Küchenaustellung namens „Living Kitchen“ – es gab viel zu sehen für den an Inneneinrichtung interessierten Heimwerker.

Die diesjährigen Trends lassen sich relativ schnell zusammenfassen: Bestimmend ist immer noch ein gewisser Retro-Trend in Verbindung mit einer klaren Tendenz zur Schlichtheit. Einfache Formen, klare Kanten, plane Flächen. Viel Weiß, viel Grau, viele Erdfarben und natürliche Materialien. Wer über die diesjährige Möbelmesse schlenderte, erlebte wenige echte Überraschungen – diese waren dafür umso intensiver.

Der 60er-70er-Jahre Trend hält an

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So saßen schon die 60er

Wer alte Filme liebt, traf in den Hallen 11 und 3 viele Bekannte: Die dort präsentierten Wohnkonzepte und Einrichtungsphilosophien weckten Erinnerungen an James-Bond-Sets der 60er Jahre. Insbesondere in Lounge- und Wohnzimmerkonzepten tauchten immer wieder zeitlos bequeme und stilsichere Sitzmöbel wie der nebenstehende Sessel mit passendem Hocker auf.

Bauhaus-Möbel fanden sich neben Stücken des im letzten Jahrzehnt zu einer beachtlichen Renaissance gelangten Panton-Designs. Dabei war vor allem ein kontrastierendes Formenspiel zu beobachten: Nicht selten wurden runde Möbel mit fließenden, organischen Kanten in einer vergleichweise kalten und durch klare Linien strukturierten Umgebung gezeigt.

Loungekonzept auf der Möbelmesse in Köln

Schlicht, natürlich und edel

 

Im Vordergrund standen dabei, bis auf wenige bemerkenswerte Ausnahmen, Schlichtheit, Eleganz und Natürlichkeit. Erdfarbene und natürliche oder naturidentische Oberflächen brachten Entspannung in die Präsentationen.

Die gedämpfte Beleuchtung, die in fast allen großen Messeständen verlegten flauschigen Teppiche und die Beschränkung auf das Notwendigste an Dekoration schufen eine gediegene und edle Atmosphäre.

 

Reduziert und minimal: Impulse aus Fernost und Berlin

Japanische MinimalgarderobeWeniger Garderobe geht nicht, mehr muss nicht sein: Das nebenstehende Stück eines asiatischen Möbeldesigners gibt den besten Eindruck von der Schlichtheit aktuellen Möbeldesigns. Reduziert auf das absolut Notwendige bietet dieses Möbelstück trotz der minimal reduzierten Gestaltungsmittel volle Funktionalität – ein Konzept, das natürlich auch für Heimwerker einen gewissen Reiz hat.

Herausragend war in diesem wie auch in anderen Fällen die Tischlerarbeit: An der gezeigten Garderobe war nicht eine Leimfuge zu finden – Zeichen für extrem aufwändige und sorgfältige Arbeit. Das Einfachheit nicht unbedingt einfach selbst umzusetzen ist, wurde an diesem Beispiel mehr als deutlich.

 

Möbelmesse in Köln: Niederländisches Baukastenprinzip

Niederländisches Baukastenprinzip

Einfachheit lässt sich aber auch kreativ umsetzen: Das Baukastenprinzip eines niederländischen Designstudios bietet die Möglichkeit zur kreativen Selbstentfaltung im Rahmen streng geometrischer Formen. Die gezeigten Elemente lassen sich absolut frei kombinieren und teils auch funktional anpassen.

Das Prinzip einer individualisierbaren Umgebung, wie man es auch auf Smartphones oder Tablets findet, wurde damit auf die Einrichtung übertragen: Die einzelnen Möbelsegmente lassen sich je nach Bedarf, Geschmack und Funktionalität neu arrangieren und mit geringem Aufwand umgestalten. Bei aller Schlichtheit der Form ist auch dieses Konzept also eine Idee mit Tiefgang und für Heimwerker allein schon wegen des „Selbermacher-Faktors“ eine Überlegung wert.

 

Wer’s krass mag: Bunte Kleckse im zurückhaltenden Ambiente

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Farbexplosion

Nach all den in zurückhaltenden Farbtönen gestalteten Messeständen tat etwas Farbe gut. Man wurde aber auch in diesem Segment reichhaltig bedient.

Das rechtsstehende Zimmer entpuppte sich als Werkschau eines niederländischen Accessoire- und Kleinmöbelherstellers; die Einnahme von Beruhigungsmitteln scheint für Bewohner dieses Zimmers dringend angeraten zu sein. Die psychedelischen Elemente, die extremen Farben und Kontraste dieses Konzeptes fanden sich allerdings auch, nur deutlich zurückhaltender, in anderen Präsentationen wieder.

Auch hier ist also ein eindeutiger Retro-Trend zu verzeichnen, sozusagen „back to the Lavalampe“.

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Ebenso phantasievoll und bunt, allerdings in einer völlig anderen Richtung gestaltet, präsentierte ein direkt am Eingang zur Halle 11 im Erdgeschoss gelegener, sehr großer Stand mit einer kompletten, märchenhaften Wohnphilosophie.

Das an eine Unterwasserwelt erinnernde Großdesignstück mit dem riesigen, fast fünf Meter hohen Himmelbett, war vollständig in blaues und grünes Licht getaucht und sorgte für einiges Aufsehen. Verspielte und schnörkelige Elemente, die problemlos als Requisite in einem Fantasy- oder Märchenfilm Verwendung finden könnten, wechselten sich mit Sesseln und Tischen ab, die hinsichtlich Farbgebung und Form auch aus einer anderen Welt stammen könnten. (links, leider recht klein neben dem Bett im Bild)

 

Ein Gruß aus der Küche

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Alle Wetter: Neun Öfen!

Neben der imm Cologne hatte zusätzlich und sozusagen im Paket inbegriffen die Küchenmesse „Living Kitchen“ ihre Pforten geöffnet. Unauffällig in den restlichen Messebetrieb integriert, wurden hier globale Innovationen in Sachen Küchengestaltung und Küchentechnik gezeigt. Im Vordergrund standen, für den Heimwerker eher von sekundärem Interesse, vor allem die Küchengeräte. Die gezeigte Vielfalt hätte allein am Stand eines einzigen Herstellers eines kundigen Führers bedurft – neun optisch identische Backöfen im Detail zu unterscheiden überstieg leider die Kompetenz des Autors.

Küchenkonzept auf der Möbelmesse

Glatt und schnörkellos auch im Küchenbereich

 

Die Küchentrends des nächsten Jahres unterscheiden sich ansonsten nur marginal von denen des vergangenen Jahrzehnts: Alles ist, ganz ähnlich wie in der Wohnraumgestaltung, sehr glattflächig und sehr kantig gehalten. Dem Erfinder des kubistischen Wasserhahns, der mittels einer tendenziell immer größer werdenden Armatur das Wasser in das ebenso eckige Spülbecken strömen lässt, wurde in nahezu jeder modernen Küchenkonzeption gehuldigt.

Beim Betrachter stellte sich angesichts der vielen ähnlichen Konzepte eher Langeweile ein, die Hightech-Geräte und vor allem die anwesenden Köche (gesichtet: WDR-Vorkoster Björn Freitag) zogen deutlich mehr Aufmerksamkeit auf sich.

Ideen und Designstücke

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M.C. Eschers Garderobe?

Die Zukunft fand in Halle 3.1 statt: Unter dem Titel „D3 Design Talents“ wurden „prämierte Produkte junger Designer und Young Professionals“ gezeigt. Auch hier gab es vor allem ein Prinzip: Schlicht und minimal. Dieses wurde aber ausgesprochen vielfältig und kreativ umgesetzt, viele Arbeiten hatten zwar geringen Nutz-, aber einen umso größeren kreativen Wert.

Wie beispielsweise diese Garderobe: Ein völlig simples Konzept, sauber aneinandergeschweißte Rohre bilden eine an der Wand verschraubte, offene, quaderförmige Konstruktion. Der besondere Effekt kommt erst durch die Beleuchtung zustande: An dieser Garderobe weiß man nicht, was bloßer Schatten und was tatsächlich Metall ist. Ein Idee mit Tiefgang – und künstlerischer Referenz.

 

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Bauschaumhocker

Für Liebhaber und häufige Anwender des Bauschaums seien die folgenden Hocker empfohlen, in der mehrbeinigen Variante auch als Bank vorhanden. Dem kreativen Einsatz des zugeschnittenen Polyurethanschaums wurde nicht nur ein Preis, sondern auch sehr viel Aufmerksamkeit zuteil.

Wie in einem Gespräch des Designers mit einem Pressevertreter zu erlauschen war, soll die Konstruktion in ihrer Einfachheit und durch die Verwendung des grauen Filzstoffs unter anderem eine Hommage an Joseph Beuys sein – von einer Fettecke war glücklicherweise nichts zu sehen!

 

Die Internationale Möbelmesse Köln 2013 – Fazit eines Messebesuchs

Auf der Fläche einer mittleren Kleinstadt präsentierten sich auch in diesem Jahr die unterschiedlichsten Ideen, Konzepte und Trends der internationalen Möbelbranche. Die schiere Größe der Veranstaltung lässt es angeraten erscheinen, einen Besuch auf mehrere Tage zu verteilen. Diesen kann man natürlich mit einem Besuch der weltberühmten Domstadt verbinden. Die gezeigten Exponate und Konzepte ermöglichen eine Zeitreise durch die Welt der Inneneinrichtung: Die stilsichere Vergangenheit, die klar gestaltete Gegenwart und die mögliche, filigrane und schlichte Zukunft sind an einem Tag an einem Ort international erfahrbar.

Für Heimwerker mit Ambitionen im Möbelbau, Hobbytischler und Inneneinrichter ist die Möbelmesse ein absoluter Pflichttermin. Die Anregungen und Ideen aus der ganzen Welt können die eigenen Projekte und das eigene Zuhause um viele interessante Ideen und Aspekte bereichern. Die Zukunft der Inneneinrichtung, soviel lässt sich 2013 sagen, ist einfach, leicht und lichtdurchflutet – ähnlich ermutigende Prognosen sind derzeit sonst eher selten.

(Bildnachweis:
Logo imm Cologne: imm-cologne.de
andere Bilder: heimwerker.de)

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