Nistkasten für Eichhörnchen (Kobel) selber bauen

Kobel mit Eichhörnchen

Gestern war Tag des Eichhörnchens. Deshalb gibt es heute (bedingt durch Winterschlaf einen Tag zu spät*) Input für Gartenbesitzer, die sich mit den fusseligen Energiebündeln gut stellen wollen.

Eichhörnchen, regional auch Eichkätzchen, Eichkater oder Katteker genannt, sind 15 bis 20 Zentimeter große und 200 bis 400 Gramm schwere Kletterkünstler. Ihr buschiger Schwanz, der ihnen hilft beim Klettern und Springen die Balance zu halten, ist noch einmal so lang wie der vordere Teil, wodurch sie ausgestreckt eine Länge von bis zu 40 Zentimetern erreichen.

Nistkasten für Eichhörnchen

Nistkästen für Eichhörnchen sind etwas größer als Vogelkästen und haben mindestens zwei Eingänge.

Das in Europa heimische Europäische Eichhörnchen mit der charakteristischen roten Fellfarbe leidet seit etwa 130 Jahren unter der zunehmenden Gesellschaft des aus den USA eingebürgerten Grauhörnchens. Die   Verwandtschaft aus Übersee hat Krankheiten mitgebracht, gegen die die einheimische Art nicht gewappnet ist. In Großbritannien gibt es mittlerweile etwa sechs Millionen Grauhhörnchen, während die Population der Europäischen Eichhörnchen auf 150.000 Exemplare (die meisten in Schottland) zusammengeschrupft ist.

Die tagaktiven Tiere klettern dank ihres geringen Gewichtes auch auf sehr dünnen Zweigen und springen locker vier bis fünf Meter weit von Baum zu Baum. In hohlen Baumstämmen oder den Astgabeln von Baumkronen bauen sie ihre Nester, sogenannte Kobel. Diese kugelförmigen Gebilde aus Zweigen, Nadeln und Blättern polstern sie innen mit Moosen und Gras. Der Kobel ist so dicht, dass er im Winter gut vor der Kälte schützt und sogar annähernd wasserdicht ist. Häufig bekommen Eichhörnchen Gesellschaft von Parasiten, die sich in ihrem Kobel einnisten, deshalb bauen sie oft mehrere Nester, die sie parallel nutzen, und weichen bei Bedarf einfach auf ein anderes aus.

Eichhörnchen-Kobel

So sieht ein Kobel in der freien Wildbahn aus. Eichhörnchen bauen in der Regel mehrere davon, um bei Parasitenbefall schnell umziehen zu können.

Die meisten Menschen lieben Eichhörnchen und beobachten sie gerne bei ihren Akrobatikeinlagen. Nicht umsonst wurde es bei der Wahl zum beliebtesten Gartentier 2011 mit einem Drittel der Stimmen zum klaren Sieger gewählt. Wer ein Eichhörnchen im Garten hat und ihm einen winterfesten und parasitenfreien Unterschlupf anbieten will, kann einen Eichhörnchen-Nistkasten in den Baum hängen, den sich der pelzige Freund zum Kobel ausbauen kann. Die Grundfläche dieses Kastens sollte mindestens 20×20 Zentimeter betragen und eine Höhe von 30 Zentimetern haben, damit das Tier auch mit üppiger Polsterung noch genügend Platz hat. Das wichtigste an einem Kobel sind die Ausgänge: Es müssen immer mindestens zwei Öffnungen vorhanden sein, weil Eichhörnchen grundsätzlich einen Fluchtweg anlegen, den sie nutzen, wenn der „Haupteingang“ von einem natürlichen Feind, wie zum Beispiel einer Katze oder einem Marder, bedroht wird.

Damit auch ein schwangeres Eichhörnchen bequem durch die Öffnungen passt, sollten sie einen Durchmesser von sieben Zentimetern haben. Am besten, man bringt die Eingänge etwas oberhalb des Bodenniveaus an, damit Gräser und Moose noch auf dem Boden vor den Zugängen Platz finden. Als Werkzeug eignet sich am besten ein gewöhnlicher Kreisbohrer oder eine Stichsäge. Eine Plattform vor den Eingängen ist zwar nicht unbedingt notwendig, weil die Kletterkünstler fast auf jedem nicht zu glatten Untergrund Halt finden. Allerdings sollte eher grobes und kein lackiertes oder in irgendeiner Form chemisch behandeltes Holz verwendet werden. Sägerauhe oder nur leicht angeschliffene und ökologisch geölte Bretter bieten den kleinen Krallen genügend Halt und trotzen der Witterung einige Jahre.

Neugeborenes Eichhörnchen.

Die Tragzeit von Eichhörnchen beträgt 38 Tage. Ein Wurf besteht aus zwei bis sechs Jungtieren.

Es gibt zwei Paarungszeiten im Jahr, die von wilden Verfolgungsjagden zwischen Männchen und Weibchen begleitet werden. Hat das Männchen das Hörnchen seiner Wahl schließlich erwischt, vergehen 38 Tage bis zwischen März und April, bzw. Mai und August, zwei bis sechs Jungtiere das Licht der Welt erblicken. Sind die Jungen geboren, wird der Vater aus dem Kobel geworfen.

Eichhörnchen legen keine Nahrungsvorräte im Kobel an. Gesammelte Nüsse werden grundsätzlich im Boden verscharrt. Es werden dabei so viele Lager angelegt, dass das Eichhörnchen im Winter einige davon vergisst und man kann im Frühjahr die Keimlinge sprießen sehen. Eichhörnchenpopulationen in Nadelwäldern

Junges Eichhörnchen

Nach ein paar Wochen sehen die kleinen Fellknäuel schon gar nicht mehr so niedlich aus. ;)

vergraben übrigens keine Nüsse oder Samen, weil sie das ganze Jahr über genügend an den Bäumen finden. Sie ernähren sich nicht nur von Samen und Nüssen, die Tiere sind Allesfresser und sie verspeisen auch kleine Weichtiere, wie Würmer, Vogeleier und manchmal auch kleine Vogeljunge (Sorry, Mädels, aber das ist leider die Wahrheit!). Sie vertragen sogar einige Pilze, die für Menschen giftig sind und giftige Eibensamen.

Im Winter kann das Nahrungsangebot für die kleinen Nager schon mal knapp werden. Wer den Hörnchen über den Winter helfen will kann zusätzlich zum Kobel ein kleines Futterhäuschen in den Baum hängen und zum Beispiel mit Nüssen, Eicheln und Bucheckern füllen. Es gibt im Handel auch spezielle Eichhörnchenmischungen zu kaufen.

*Für die Besserwisser: Eichhörnchen halten natürlich keinen Winterschlaf, sondern lediglich Winterruhe. Redakteure schlafen manchmal schon. 😉

Bilder:
Teaser: Dawn Huczek, Flickr.com, CC BY 2.0
Nistkasten: bpaktoma, Flickr.com, CC BY 2.0
Kobel: Mathieu Giraudeau, Wikipedia Commons, CC BY-SA 3.0 unported
Neugeborenes: audreyjm529, Flickr.com, CC BY 2.0
Jungtier: Toivo Toivanen & Tiina Toppila, Wikipedia Commons, CC0 1.0 Universell (Public Domain)

Ein Gedanke zu „Nistkasten für Eichhörnchen (Kobel) selber bauen

  1. Handwerker Joe

    Als Gartenenthusiast empfehle ich jedem Gartenbesitzer, sich ein solches Haus zuzulegen. Es wirkt sich positiv auf das Ökosystem des Gartens aus. Kann mir einer das Zitat „Nach ein paar Wochen sehen die kleinen Fellknäuel schon gar nicht mehr so niedlich aus. ;)“ zu dem letzten Bild erklären? Als wäre das Eichhörnchen auf diesem Bild nicht unfassbar flauschig. „It’s so fluffy i could die“ würde Agnes sagen.

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