Pocket Hole ist in und ich bin jetzt auch ein Undercover Jig

Wolfcraft Undercover Jig
Riccardo Düring

Ricc – ich blogge für Euch

Lange hat es mich gereizt und jetzt durfte ich endlich ein Pocket Hole-System testen. Ein Dankeschön an wolfcraft dafür. Gerne hätte ich es gegen ein Kreg Jig verglichen, aber für einen Test ist mir der Preis doch etwas hoch. So bleibt es bei der kostengünstigeren Variante von wolfcraft, dem wolfcraft Undercover Jig.

Auf dem ersten Blick gibt es am Preis (passend zum Gerät) nichts zu meckern. Das Undercover Jig gibt es bei Amazon für 47,90 € und das halte ich für den Inhalt des Koffers erst einmal für realistisch. Ob sich aber die Investition lohnt, wird sich zeigen.

Die Verpackung und ihr Inhalt

Das wolfcraft Undercover Jig kommt in einem kleinen Koffer, was mir – wie immer – gut gefällt, da ich keine Blisterverpackungen mag, bei denen man beim Öffnen verzweifelt und sich in die Finger schneidet, um sie später zu entsorgen. Also die Verpackung, nicht die Finger. Hier gibt es schon den ersten Pluspunkt für einen Koffer. Der Koffer beinhaltet neben dem Undercover Jig auch einiges an Zubehör.

  • Wolfcraft Undercover Jig1 x wolfcraft Undercover Jig
  • 1 x HSS Stufenbohrer 180 mm
  • 1 x PZ2-Bit 150 mm
  • 1 x Feststellring
  • 1 x Inbusschlüssel SW 3
  • 10 x spezielle Holzdübel
  • 10 x Senkkopfschrauben 4 x 25 mm
  • 10 x Senkkopfschrauben 4 x 30 mm
  • 10 x Senkkopfschrauben 4 x 40 mm
  • 10 x Senkkopfschrauben 4 x 60 mm

Das sieht absolut ok aus und bis auf eine Schraubzwinge und einem Akkuschrauber oder einer Bohrmaschine wird offensichtlich nichts weiter benötigt. Auch wenn im Koffer unter dem Undercover Jig oder dem Einsatz doch tatsächlich noch Platz wäre. So lassen sich eventuell weitere Schrauben verstauen. Ansonsten ist alles übersichtlich angeordnet und wirkt haltbar. Wünschenswert wäre nur eine Beschriftung der Schraubengrößen.

Die Anleitung wird nur einmal benötigt

Wolfkraft Undercover Jig

Bedienungsanleitung

…danach ist der Gebrauch bekannt und da es nicht wirklich kompliziert ist, kann die Bedienungsanleitung meines Erachtens entsorgt werden. Einzig der Hinweis, welche Schraube für welche Brettstärke benötigt wird, könnte für den einen oder anderen interessant sein. Für mich nicht, aber dazu kommen wir im praktischen Teil.

Die Anleitung gefällt mir nur bedingt. Zum einen ist das Faltblatt enorm groß und zum anderen fehlt es den Bilder an Qualität. Allerdings sind die einzelnen Arbeitsschritte sehr gut und vor allem verständlich beschrieben. Der Blick auf die Bilder dient eher der Kontrolle. Das Manko relativiert sich aber, da die Anleitung nur einmal benötigt wird. Daher ist sie hierfür ausreichend.

Schritt für Schritt zu Pocket Hole-Verbindung

Wem die Anleitung nicht verständlich genug ist,  dem zeige ich jetzt hier alle Schritte etwas detaillierter auf. Kein Problem, das mach ich doch gerne.  😉

Es geht natürlich auch darum, die Funktionsweise vorzustellen und um zu sehen, wie einfach die Nutzung ist. Daher dürft Ihr mich nun Schritt für Schritt bei meiner ersten Taschenbohrung und Holzverbindungen begleiten. Für diesen ersten Versuch habe ich altes Stück Fichtenleimholz genutzt und es mittig geteilt. Im zweiten dasselbe, mit etwas härterem Buchenleimholz.

Maß nehmen und Bohrer einrichten

Das wolfcraft Undercover Jig bringt sein Maß gleich mit und so lässt sich die Brettstärke (falls nicht bekannt) schnell ermitteln. In meinem Fall hat das 18 mm Fichtenleimholz eine Stärke von 17 mm. Klingt komisch, ist aber so. Vielleicht ist das Undercover Jig ungenau? Ehrlich gesagt, habe ich das gar nicht so genau geprüft, da es meine Arbeit nicht wirklich beeinflusst, mir das Maß eigentlich bekannt war und ich nur für ein Foto „gemessen“ habe. Spielt aber auch keine Rolle, da das Maß im Weiteren nur in größeren Schritten eingestellt wird. Das wäre dann schon die nächste „große“ Aufgabe. Am Undercover Jig wird die Sperre entriegelt und das nächst kleinere Maß der Messung eingestellt. Ob nun 17 mm oder 18 mm gemessen wurden, ist nebensächlich, das nächste Maß ist 12 mm. Hier würde ich mir tatsächlich weitere Abstufungen wünschen, um ein exakteres Maß einstellen zu können. Gerade diese 18 mm sind in deutschen Baumärkten ein sehr gebräuchliches Maß.

Als Nächstes erfolgt die Einstellung der Bohrtiefe. Dazu wird das Undercover Jig auf den Rücken gelegt und der Bohrer in das rechte Loch geführt. Die Ausrichtung erfolgt am Absatz des Stufenbohrers und dem Strich zwischen 12 und 19 mm. In dieser Stellung wird der Feststellring am Bohrer verspannt. Das war es auch schon, – das Undercover Jig ist fertig eingerichtet.

Das Brett kann gebohrt werden

Nachdem das Undercover Jig eingerichtet ist, geht es auch schon ans Bohren. Dazu wird (wie beim Messen) der Anschlag gedreht, die Kante am Brett angelegt und das Jig mit dem Brett verspannt. Jetzt ist es bereit zum Bohren. Zu erwähnen sei noch, dass sich die zwei Bohrführungen als sehr hilfreich erweisen. So kann das Jig am äußeren Rand des Brettes ausgerichtet und der Bohrabstand durch die zwei Bohrführungen individuell gewählt werden. Hier sollte man lieber etwas Platz lassen, um später eventuell noch Winkelspanner nutzen zu können.

Bei weichem Holz ist sehr vorsichtig und mit hoher Drehzahl zu bohren, da das Holz durch den flachen Bohrwinkel schnell ausreißt. Das hat aber wenig mit dem Undercover Jig zu tun – der Bohrer ist scharf und schneidet gut.

Schrauben und fast fertig

Nun kommen wir zurück zur Anleitung, die ich zur Schraubenwahl angeblich nicht mehr benötige. Laut dieser soll ich die nächst kleiner Brettstärke (12 mm bei 18 mm) wählen und dafür Schrauben von 4 x 25 mm verwenden. Bei meinem Test musste ich feststellen, dass diese sehr kurz sind und im Weichholz kaum Halt finden. Das liegt wahrscheinlich an dem relativ großen Sprung zwischen 18 mm und 12 mm, aber sicher auch an Ungenauigkeiten bei der Ein- und Ausrichtung. Also habe ich die zwei Bretter aufeinander gestellt und unterschiedliche Schrauben in die Löcher gesteckt (werde ich immer wieder so machen). Und siehe da, selbst die nächste Größe 4 x 30 mm hat noch ausreichend Platz.

Ist die richtige Schraubengröße ermittelt, können beide Bretter verspannt und verschraubt werden. Da die Schraube schräg auf das untere Holz trifft, ist das Verspannen sehr wichtig. Schnell wird es sonst verschoben und es entstehen ungenaue Verbindungen.

Bohrlöcher verdübeln

Wolfcraft Undercover Jig

Bohrloch mit einem Holzdübel verstecken

Ich bin ein Mann der schnellen Schraube, genau darum gefällt mir das Undercover Jig von wolfcraft. „Männer der schönen Schraube“, können die Verschraubung aber abschließend gerne noch verstecken. Dafür liefert der Hersteller vorgefertigte Dübel mit passend zugesägtem Winkel. Bei dünnerem Holz ist es notwendig, die Dübel zu kürzen, bei dickeren sicher nicht. Zu Testzwecken habe ich einfach etwas tiefer in 18 mm Leimholz gebohrt, die Schraube weggelassen und konnte den Dübel komplett einsetzen. War ja nur für einen Test, wie es sich macht. Der Dübel ist zwar sehr passgenau gefertigt und lässt sich nur schwer einfügen, sitzt vom Winkel her aber absolut perfekt.

Wolfcraft Undercover Jig

Holzdübel fertig gekürzt und verschliffen

Fertig geschliffen sieht das richtig gut aus. Der Aufwand lohnt sich meines Erachtens aber nur bedingt. Mit dem Undercover Jig kann ich mir aussuchen, ob ich innen oder außen verschraube, demnach kann ich auch die Seite wählen, die ich hinterher nicht sehe. Geht es mir darum, nirgendwo Schrauben zu sehen, dann nutze ich Leim und Dübel. Des Weiteren ist es nach dem Einleimen der Holzdübel nicht mehr möglich, die Schrauben wieder zu lösen, was gerade der Vorteil einer Verschraubung ist. Das ist allerdings Geschmackssache und muss jeder für sich entscheiden. Ich habe die Holzdübel getestet und wird ein wenig besser als bei mir, auf die Färbung und Maserung geachtet, ist hinterher kaum noch etwas von einer Verbindung zu sehen.

Der Turbo-Test – Wie schnell ist das wolfcraft Undercover Jig?

Beziehungsweise, wie schnell bin ich? Dazu habe ich mir ein Brett Buchenleimholz zugesägt, alles Benötigte parat gelegt und die Zeit gestoppt. Gleichzeitig wollte ich natürlich auch sehen, wie die Bohrungen im härteren Holz werden. Was soll ich sagen? – Meine Frau hat Recht. Ich bin zu schnell für diese Welt. In etwa drei Minuten ist das wolfcraft Undercover Jig eingerichtet, sind die Löcher gebohrt und die Bretter verschraubt. Gut, im Video von wolfcraft ist die Rede von zwei Minuten, aber mit etwas mehr Übung und ohne meine Gelassenheit, ist das sicher auch kein Problem.

Abschließend gab es noch eine kleine Spielerei und ich habe zwei dünne Holzleisten auf Gehrung verschraubt. Ist zwar sicher untypisch, aber auch das funktioniert. Außerdem lassen sich so recht schnell schmale Bilderrahmen fertigen.

Mein schnelles Fazit

Ich mag das wolfcraft Undercover Jig. Reicht doch, oder?  😉  Natürlich finde ich noch ein paar Worte:

Wolfcraft Undercover Jig

meine volle Empfehlung

Das Undercover Jig macht einen soliden Eindruck, funktioniert tadellos und es lassen sich damit binnen kürzester Test gute Schraubverbindungen herstellen. Meine Erwartungen wurden übertroffen und ich habe darin einen wirklich tollen Werkstatthelfer gefunden. Ich kann mir nicht vorstellen, was groß verbessert werden könnte. Eventuell eine feinere Justierung der Brettstärke, aber werden die Schrauben nach meiner Vorgehensweise ausgewählt, sehe ich kein Handicap in der jetzigen Variante. Der einzige große Fehler war, dieses Hilfsmittel nicht eher in meine Werkstatt zu holen.

Da hätte ich doch fast einen kleinen Verbesserungsvorschlag vergessen: Zwar lassen sich auch alle anderen Schrauben verwenden und sich ein anderer langer Bit kaufen, aber in dem Punkt könnte wolfcraft ein wenig mit der Zeit gehen und das Zubehör auf Torx umstellen. Mein Schraubenvorrat enthält nur noch Reste an Kreuzschlitzschrauben und, wie ich von anderen Heimwerkern weiß, halten sie es ähnlich.

Weitere Beispiele zur Verwendung von Taschenbohrungen: Regal mit Pocket Holes (Taschenbohrungen) bauen