Power4All oder Wie viel Akku braucht der Heimwerker?

Power4All Akku
Riccardo Düring

Ricc – ich blogge für Euch

Da wir gerade in unserer Community über den Grundsatz gesprochen haben, ob denn heute alles mit Akku betrieben sein muss, möchte ich meine Gedanken und Erfahrungen dazu auf die Tastatur bringen.

Auch wenn ich hier Power4All anbringe, wie sich das Konzept bei Bosch nennt und auch hauptsächlich Bosch-Geräte zu sehen sind, geht es mir in diesem Beitrag nicht um einen spezifischen Hersteller. Hier muss jeder seinen Weg finden und meiner ist halt grün geworden. Auch andere Hersteller besitzen ein ähnliches System. Makita nennt es zum Beispiel SystemKit.

Power4All – Was ist das?

Power4All ist eine interne Bezeichnung von Bosch, mit der Werkzeuge gekennzeichnet werden, die alle mit der selben Akkuform arbeiten. Dabei beschränkt es sich weder auf die Voltklasse, noch auf den Arbeitsbereich. Die meisten Hersteller bieten dafür 10,8 V und 18 V Akku-Werkzeuge an. 14,4 V ist für mich eher uninteressant, da die Geräte meist kaum kleiner als die 18 V-Geräte sind und ich dann auch gleich zum größeren greifen kann. Für die handlichen Werkzeuge gibt es die 10,8 V Werkzeuge. Die bringen heute schon genug Leistung mit. Das nur mal nebenbei.

So, wie es Systeme für unterschiedliche Voltklassen gibt, gibt es sie auch für unterschiedliche Einsatzgebiete. Meine Akkus werden schon lange nicht mehr nur in der Werkstatt eingesetzt. Auch der Garten bleibt nicht verschont und ich bin gespannt, wann der erste Mixer kommt. Eine Kaffemaschine gibt es ja bereits von Makita.

Was spricht gegen Akku-Werkzeuge?

Aus meiner Sicht – Nichts! Das möchte ich aber nicht so einfach im Raum stehen lassen. Nehmen wir uns den Hauptargumenten der Akku-Gegner an.

  • Akku-Werkzeuge haben nicht genug Leistung.
  • Wenn man das Werkzeug braucht, ist der Akku leer.
  • Ständig gibt es Zwangspausen, weil der Akku leer ist.
  • ich nehme gerne weitere Vorschläge an…

Akku-Werkzeuge haben nicht genug Leistung?

Bosch Power4All PST 18 LI

Bosch Power4All PST 18 LI

Sicher sind den Akkugeräten Leistungsgrenzen gesetzt. Jedoch liegen die meiner Meinung nach außerhalb des Heimwerker-Bereichs oder beziehen sich auf Geräte, bei denen auch ich nicht zur Akkuvariante greifen würde. Es gibt zwar inzwischen Akku betriebene Kapp- und Gehrungssägen, als Heimwerker lohnt sich die Investition für mich allerdings nicht. Auch muss ich keinen Akku-Abbruchhammer haben. Nehmen wir uns die Geräte vor, die ein Heimwerker regelmäßig in der Hand hat und kommen zu einem meiner Lieblings-Akku-Werkzeuge – die Stichsäge – und sehen uns die technischen Daten genauer an. Bei Bosch grün gibt es fünf unterschiedliche Leistungsklassen der Stichsäge: PST 650, 700, 800, 900 und die PST 1000. Die angegebene Zahl im Produktnamen bezieht sich dabei auf die maximale Schnitttiefe in Holz (ist zumindest meine Interpretation). So schafft die PST 650 zum Beispiel 65 mm in Holz, die 800er 80 mm und mit der PST 1000 sind wir beim Maximum von 1000 mm angekommen. Das ist schon ordentlich wird wahrscheinlich selten benötigt. Ordnen wir hier nun die Akku-Version PST 18 LI ein, landet sie gleichauf mit der PST 800. Also genau im Mittelfeld, was ich schon für absolut genug Leistung halte. Seien wir mal ehrlich, wer sägt mit einer Stichsäge mehr als 80 mm Holz oder 5 mm Stahl? Ich nicht und daher hätte ich mir auch als Kabel-Version keine größere gekauft.

Wenn man das Werkzeug braucht, ist der Akku leer?

Macht es wie Bruce Lee in Karate-Kid, leert das Glas Wissen und schafft Platz für neues. Lithiumionen-Akkus besitzen keinen Memory-Effekt und haben eine extrem geringe Selbstentladung von etwa 3% im Monat. Wer seinen Akkuschrauber also im Herbst mit einem 3/4 geladenen Akku einlagert, kann auch seine neue Werkbank, die er vom Weihnachtsmann bekommen hat, noch damit aufbauen. Keine Sorge, Li-Akkus sind sehr sehr lange Einsatzbereit.

Ständig gibt es Zwangspausen, weil der Akku leer ist?

Viel Arbeit bedeutet viel Akkuverbrauch. Das ist natürlich logisch und nicht vermeidbar. Aber, wir sprechen hier ja von einer Werkzeug- oder Akku-Familie. Das bedeutet, dass wir vermutlich nicht nur ein Werkzeug und damit nicht nur einen Akku haben. Zusätzlich bekommen moderne Akkus immer mehr Kapazität und können dabei immer schneller geladen werden. Hingen Akkus früher noch jenseits von 5 Stunden am Ladegerät, um dann 5 Minuten effektiv arbeiten zu können, haben sich die Zeiten heute geändert. Die meisten Akkus und Ladegeräte bieten eine Ladezeit von einer Stunde und oft reicht schon ein Wechselakku um dauerhaft arbeiten zu können.

Welche Vorteile haben Akku-Werkzeuge?

Bosch Power4All PKS 18 LI

Bosch Power4All PKS 18 LI

Arm hoch, wer schon über ein Kabel gefallen ist oder etwas von der Werkbank geholt hat, weil er am Kabel hängen geblieben ist. Gut, damit Ihr alle wieder eine Hand für das Scrollrad der Maus habt, könnt Ihr den Arm wieder runter nehmen. Ich denke, in diesem Punkt sind wir uns einige. Mit einem Werkzeug ohne Kabel ist man nicht nur flexibler, sondern erhöht sogar die Arbeitssicherheit. Dabei müssen wir nicht mal in der Werkstatt bleiben. Wie gesagt, halten die Werkzeuge auch im Garten Einzug und da habe ich gleich zwei, die mir richtig ans Herz gewachsen sind. Mein Akku-Rasentrimmer und die Akku-Heckenschere. Gut, mit dem Schneiden der Hecke stehe ich trotzdem auf Kriegsfuß, aber es ist schon eine enorme Erleichterung, wenn man keine Kabeltrommel braucht und auch keine Gefahr läuft, das Kabel mit der Schere zu erwischen. Und dann das Rasenmähen. Ich mache das ja wirklich gerne, aber die Ränder und Kanten hinterher…. Kabeltrommel raus, Strippe dran, da ein wenig mit dem Rasentrimmer nach schneiden, alles zur nächsten Kante zerren, dann wieder dahin…. Am Ende ist man mit der Strippe den Ganzen Rand vom Garten abgelaufen. Was liebe ich meinen Akku-Rasentrimmer. Raus holen, Akku rein und eine Ecke nach der anderen bearbeiten, ohne auch nur ein einziges Mal an das nervige Kabel denken zu müssen. Ein Traum.

Aber wenn ich ehrlich bin, ist da natürlich auch ein wenig die Faulheit in mir. Ich besitze eine Tischkreissäge und eine Kapp- und Gehrungssäge (sowie diverse andere). Daher kommt es ziemlich selten vor, dass ich mal zur Handkreissäge greifen muss. Natürlich würde dafür ein normales Kabelgerät reichen und ich habe sogar eines. Nur für den einen Schnitt das Kabel abwickeln, hinter aufwickeln, alles verstauen…. Für vielleicht einen Schnitt? Ich mache den Schrank auf, nehme meine Akku-Handkreissäge, mache einen Schnitt und stelle sie wieder in den Schrank. Ja, das ist Faulheit, aber ich stehe dazu.

Was bringt mir Power4All?

Black+Decker Akku-Serie

Black+Decker Akku-Serie

Dass Akku-Werkzeuge und Akkus nicht gerade günstig sind, ist sicher jedem bekannt. Wer nun schon einen Akkuschrauber einer Akku-Familie besitzt und gerne noch eine Akku-Säge hätte, muss nicht automatisch das komplette Paket mit Akku und Ladegerät kaufen. Werkzeuge einer Akku-Familie gibt es auch einzeln und ohne Akku oder Ladegerät. Das macht sie deutlich günstiger und der Akku des vorhandenen Akkuschraubers lässt sich in beiden Werkzeugen nutzen. Zum Geburtstag lässt man sich dann Akkus schenken und kann mit beiden Geräten durchgängig arbeiten. Zusätzlich sammeln sich mit der Zeit natürlich auch einige Akkus an. Bei mir sind es inzwischen zehn Stück und ich könnte mit mindestens vier Werkzeugen ohne Unterbrechung gleichzeitig arbeiten. Na ja, zumindest theoretisch. Bei einem größeren Arbeitseinsatz mit freundschaftlicher Unterstützung macht sich das bemerkbar.

Was will uns der Autor damit sagen?

Das bin ja ich: Ich liebe Akku-Werkzeuge. Sie machen unabhängig, sind schnell einsatzbereit, flexibel einsetzbar und senken das Unfallrisiko. Eine Beeinträchtigung der Leistung gegenüber Kabelgeräten ist bei den üblichen von Hand geführten Werkzeugen kaum noch vorhanden. Hinzu kommt, dass viele Herstellern seit geraumer Zeit dieselben Akkus in unterschiedlichen Werkzeugen zu nutzen, was mit den Akku-Familien gemeint ist. Das erspart Unmengen unterschiedlicher Akkus und Ladegeräte. Ebenso verlängert sich die mögliche Arbeitszeit durch die automatische Erweiterung des Akku-Arsenals. Kurz: Danke Ihr Werkzeughersteller für diese tolle Idee und möge das Maschinenangebot der jeweiligen Akku-Familien weiter wachsen.

16 Gedanken zu „Power4All oder Wie viel Akku braucht der Heimwerker?

  1. Dominik

    Ich hatte einmal eine Akku-Heckenschere, die vor den kleinsten Ästchen kapitulierte und deren Saft nur für 10 Minuten reichte. Seitdem greife ich wieder zur Elektro-Variante. Gibt es irgendwelche Empfehlungen, bei welchem Gerät mir das nicht passiert?

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    1. Riccardo DüringRiccardo Düring Beitragsautor

      Hi Dominik,
      das war sicher schon ein etwas älteres Modell, oder? 😉
      Wie oben im Bild eventuell zu erkennen, habe ich die grüne 18V- Heckenschere von Bosch und kann wirklich nicht klagen. Beim ersten Heckenschnitt habe ich mir vier Akkus parat gelegt und wurde mächtig überrascht. Meine Hecke ist etwa 15-20m lang und vielleicht 2,5m hoch. So kurz vorm Ende habe dann mal aus Verdacht den Akku gewechselt. Wenn man mit dem Heckenschnitt nicht gerade so lange wartet wie ich, ist da mit einem Akku wahrscheinlich sogar noch mehr möglich. Ich hätte es auch nicht gedacht und ich weiß nicht, wie es funktioniert, aber mit einer Akkuladung lässt sich enorm lange arbeiten.
      Gruß Ricc

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      1. Joachim Wölfel

        die Problematik hatte ich bei den ersten Akku Geräten von allen Herstellern auch, keine Kraft, nur kurze Laufzeit , immer leer, lange Ladezeiten..usw. habe inzwischen die neue Generation DEWALT, FESTOOL und MAKITA im Hause, 2-5 A/h da geht die Post ab, ob Stemmhammer, Flex, Säge oder Schrauber, Power und Leistung mit langer Laufzeit alles super kann ich nur empfehlen..es muß natürlich jeder wissen was er wofür braucht und entsprechend kaufen, kleine Amperestundenzahl wenig Laufzeit, hohe Spannung mehr Kraft…mehr Gewicht…alles Ermessungssache, auch die Akkus längere Zeit ungenutzt lassen ist schlecht, deshalb ist ein System von einem Hersteller zu empfehlen..leider sind die Akkus mit anderen Herstellern nicht kompatibel..vieleicht kommt das eines Tages, was ich jedoch nicht denke…

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      2. Dominik

        Hi Riccardo,

        vielen Dank für die Antwort. Meine Akku-Heckenschere war ganz neu, aber irgendso eine OBI-Eigenmarke. Die ging nach dem zweiten Schneiden wieder zurück in den Baumarkt. Mein Elektroteil ist aber auch keine Marke und es verrichtet schon sieben, acht Jahre klaglos seinen Dienst.

        Gruß
        Dominik

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        1. Riccardo DüringRiccardo Düring Beitragsautor

          Ich hatte auch ewig eine Heckenschere mit Kabel und prinzipiell ist gegen die Teile nichts einzuwenden. Sie leisten ihren Dienst. Wenn man aber ständig mit Kabel die Leiter hoch und mit der Kabeltrommel nachrücken muss, nervt das mächtig. Erst recht, wenn man die Arbeit schon nicht mag. 🙂

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    2. F.

      Hallo
      hatte vorher eine Dolmar-Heckenschere und die war prima! Elektrisch mit Kabel.
      Da das Kabel im Laufe der Zeit immer kürzer wurde, habe ich auf Akku umgestellt. Habe die STIHL-Serie gekauft. Heckenschere, Kantenschneider, Hoch-Heckenschere, Laubbläser und auch noch den Akku-Rasenmäher! Dazu habe ich 2 Akkus. enen 115 Ah und einen 180 Ah.
      Die Heckenschere steht der Dolmar in keiner Weise nach! Die Leistung aller Geräte ist super. Nachteil: !!! Ist halt unnötig schwer! Der Akku in der Heckenschere wiegt schon einiges. Geht auf Dauer in die Arme. Aber ich schneide mir das Kabel nicht mehr durch und bin Steckdosen-unabhängig.
      Die Akkus passen in alle Geräte hinein.
      Gruß
      Friedel

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  2. Joachim Wölfel

    die Lebenserwartung der Akkus wäre noch zum Mango hinzuzuziehen, ein Kabelgerät wird gekauft und man hat es oft ein Leben lang…ein POWER 4 all ist eine tolle Sache, wobei ich nicht unbedingt der Freund von Markentreue für alle Maschinen bin, ich wähle lieber individuell meine Maschinen aus. Aus diesem Grunde wäre die Akkus aller Hersteller kompatibel zu machen mein Traum…Einen Akku für jede Maschine einsetzbar, mit unterschiedlichem Gewicht, Amp. Zahl für unterschiedliche Anwendung. Der Vorteil von dem POWER 4 All ist der, selbst Maschinen die man selten nutzt, der Akku bleibt durch den Einsatz in anderen Geräten frisch…deshalb reichen eben auch 2-3 Akkus je nach Verwendung für alle Geräte aus…tolle Lösung, leider sind noch nicht alle Geräte von jedem Anbieter erhältlich und ich besitze inzwischen Akkugeräte von drei verschiedenen Anbietern…sehr ungünstig, muß mich nun langsam auf einen Hersteller fixieren…

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  3. Reinhard

    Das grösste Manko der Akkus ist die begrenzte Lebensdauer bei höheren Kosten. Seit etwa 30 Jahren glaube ich den Herstellern, dass mit der neuen Generation alles besser wird, und siehe da, es wurde teilweise nur schlechter. Mit den entsorgten Akkus und Geräten könnte ich inzwischen eine Mülltonne vollmachen.

    Und die Wahlfreiheit bei Anschaffung neuer Geräte (Sonderangebote, besondere Eignung) möchte ich auch nicht aus der Hand geben.

    Wie Joachim vor mir sagte: Kabelgeräte halten ein Leben lang – meine Black und Decker Bohrmaschine habe ich mir Anfang der 80er Jahre zugelegt und immer noch Freude damit.

    Mein einziges Akkuwerkzeug ist ein kleiner Makita Schrauber in der Hoffnung, dass ich den nicht auch wieder schon nach 2 Jahren entsorgen muss.

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    1. Riccardo DüringRiccardo Düring Beitragsautor

      Was unterscheidet ein Akku-Werkzeug von einem Kabel-Werkzeug? Der Aufbau ist derselbe. Futter, Antriebswelle, Motor, Schalter… Nur als Beispiel. Der Unterschied beginnt und endet nur bei der Stromversorgung des Motors. Warum sollte also ein Akku-Werkzeug nicht so lange halten, wie ein anderes? Der einzige mögliche Punkt ist der Akku. Ja, der kostet etwas mehr, aber vergleichen wir Werkzeuge mit anderen Bereichen, so sind wir da gerne bereit mehr Geld für Unabhängigkeit und Flexibilität auszugeben. Obwohl wir wissen, dass das Gerät (zum Beispiel unser Handy) länger als der Akku hält.

      Wenn Du Deinen Makita-Schrauber bereits nach 2 Jahren ersetzen muss, hast Du Dich offensichtlich für die falsche Marke entschieden. 😉 Meine grünen 18V-Schrauber kommen neben der Werkstatt auch in umgebauten Kinderautos als Antrieb zum Einsatz. Da müssen sie Höchstleistung bringen und werden aus hoher Drehzahl und mit einem Schwunggewicht von 20-30kg auf Null gebremst. Klingt grausam, aber die halten.

      Gruß Ricc

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  4. Etienne Dilocker

    Hi Ricc,

    sehr schönes und sehr aktuelles Thema, zu dem ich stundenlang schrieben könnte – ich versuche mich kurz zu fassen. Ich stimme dir da absolut zu, aber dazu gleich mehr. Zu allerst einmal zum Begriff, du hast hier „Power 4 All“ von Bosch Home stellvertretend genommen, mir fällt direkt noch „Power Xchange“ von Einhell oder „Select+“ von Fein ein. Aber im Prinzip hat das natürlich jeder Hersteller, manchmal auch einfach ohne einen bestimmten Namen dafür zu haben (Bosch Professional (blau), Makita, etc.). Um ein neutrales Wort dafür zu haben, habe ich bei werkzeugcheck dafür das Wort „Ökosystem“ geprägt. Das geht allerdings noch einen Ticken weiter, es schließt auch Systemkoffer (L-BOXX, Makpac, Systainer ,…) etc. ein. Quasi alles, was man – nach dem Kauf eines Gerätes oder Startersets – auch mit anderen Geräten verwenden kann.

    Jetzt zu den von dir angesprochenen Mythen. In den letzten Wochen und Monaten habe ich mich mit einigen Vertrieblern von Werkzeugherstellern unterhalten und vor allem die weniger hochpreisigen Firmen versuchen auch stark gegen diese Mythen anzukämpfen. Denn die Kunden denken immer noch Akku = schwach = immer leer = doof. Und in gewissem Maße ist das begründet, wenn man nur Billiggeräte (No-Name) aus dem Baumarkt oder Discounter kauft. (Mit dieser Aussage muss ich nun etwas vorsichtig sein, nachdem ich gerade ein hochwertiges Gerät getestet habe, das wohl auch zeitweise im Discounter erhältlich war 😉 ) Aber prinzipiell versteht man denke ich, was ich meine.

    Kauft man dagegen etwas höherwertige Produkte sieht es in der Tat schon ganz anders aus. „Nicht genug Leistung“ lasse ich wie du absolut nicht mehr gelten. Ein modernes 18V-Gerät, vor allem eins das für den Profi-Einsatz ausgelegt ist, hat gigantische Kraftreserven. Mal nur so als Beispiel, es gibt 18V-Schlagschrauber, die 440Nm Drehmoment bieten. Das ist mehr als das dreifache Drehmoment, das nötig ist, um Radmuttern zu lösen. Und genau, wie du sagst: So viel Leistung brauchen die meisten gar nicht. 80mm Holz reichen für die meisten Stichsägen und wer von vorneherein weiß, dass er mehr als 80mm sägen wird, soll dann eben nicht ein Heimanwender-Gerät kaufen, sondern ein Profi-Gerät, dann sind auch 135mm drin … mit einem einzigen 18V-Akku wohlgemerkt.

    „Hält nicht lange / Immmer leer“: Auch hier muss ich dir zustimmen. Nahezu jedes moderne Gerät, das ich bisher in der Hand hatte, kann länger arbeiten als es zum laden braucht. Wer also mindestens zwei Akkus hat, kann unendlich lange arbeiten.

    Einen Mythos werfe ich jetzt mal noch selbst in den Raum: „Akkugeräte sind viel teurer“. Ja und Nein: Ein Akkugerät ist im Komplett-Set oft sehr teuer. ABER der Sinn ist ja gerade, dass ich das Komplett-Set nur einmal kaufen muss. Und Solo-Geräte ohne Akku sind – selbst bei den Profi-Herstellern – erstaunlich günstig.

    Übrigens ermöglicht man sich durch ein Akku-System viele tolle neue Möglichkeiten abseits der Werkstatt. Du hast dazu bereits den Garten erwähnt. Einen Garten habe ich leider – oder auch zum Glück – nicht zu pflegen, aber meinen 18V-Staubsauger, den ich vor kurzem ohne Akku (hatte ich ja schon) gekauft habe, der wird beim Putzen mittlerweile öfter eingesetzt als der schweineteure „herrkömmliche“ Staubsauger ;). Kabellos Staubsaugen ist so ziemlich das genialste was es putztechnisch gibt 😉

    Also, wenn es nach mir ginge – nur noch Akku, es sei denn das Gerät ist wirklich stationär. Eine Akku-Tischbohrmaschine oder Akku-Tischkreissäge macht wohl wenig Sinn. Eine Akku-Kapp/Gehrungsäge ist wohl so ein Zwischenfall. Da macht Mobilität noch halbwegs sinn. Aber sobald das Gerät in der Hand gehalten wird, bin ich voll für Akkus.

    So, der Kommentar wurde doch etwas länger, aber das Thema ist brandaktuell und meine Meinung zur Thematik sehr eindeutig 😉

    LG
    Etienne

    Antworten
  5. Komihaxu

    Eines ist ganz klar – die Akkutechnik hat die letzten Jahre rasante Fortschritte gemacht. Viele Argumente gelten nicht mehr oder kaum noch.

    Für viele Anwendungen liebe ich den Akku – bei anderen halte ich mich mittlerweile bewusst fern.
    Was bringt mir der Akku an einer Kreissäge oder einem Schleifer? In den meisten Fällen hätte ich bei solchen Arbeiten gerne eine Staubabsaugung – hänge also sowieso an einer Strippe.

    Und ich als Heimwerker habe extrem selten den Fall, dass ich meine Werkzeuge zur Arbeit bringen muss – nicht anders herum. Bei Montageprofi sieht das ganz anders aus.

    Wo ich den Akku niemals einsetzen werde, sind selten gebrauchte Maschinen wie eine Stichsäge.

    Thema Langlebigkeit:
    Auch mit den modernen Systemen sehe ich noch keine Haltbarkeit von 30 Jahren, wie ich sie von vielen meiner Netzmaschinen kenne und erwarte.

    Antworten
    1. Riccardo DüringRiccardo Düring Beitragsautor

      Bei einer Stichsäge niemals eine Akkuversion? Du solltest mal her kommen und das probieren. 🙂
      Es ist einfach genial, da eine Stichsäge selten für einfache gerade Schnitte eingesetzt wird. Gerade, wenn man irgendwo ein eckiges oder rundes Loch sägt, ist das Kabel ständig im Weg. Ich nutze meine Stichsäge inzwischen ständig irgendwo. Gerade habe ich mit meinem Schwiegervater einen kleinen Zaun mit Tür gebaut und da geht nichts über unabhängiges arbeiten.

      Gruß Ricc

      Antworten
  6. Stefan

    Hi,

    Super Artikel.

    Ich hab mir einfach allerdings ein Aggregat gekauft und seitdem keinen Gedanken mehr an Akkus „verschwendet“ 😉 . Ist wirklich daher ne Empfehlung von mir. (nicht übel nehmen Riccardo)

    Grüße

    Antworten
  7. Ronny

    Hey Riccardo, ein toller Beitrag. Ich finde Akku-Geräte auch sehr praktisch. Leistungsprobleme kenne ich auch nicht wirklich. Vor allem im Bereich des Heimwerkens sind Akku-Geräte, also Akku Stichsägen oder von mir auch auch Akku Bohrschrauber, besonders praktisch.

    Ich finde die Diskussion in den Kommentaren spannend 🙂 Vor allem Komihaxu verstehe ich auch nicht. Der von Dir beschriebene Vorteil liegt ja klar auf der Hand. Gerade wenn es eng wird, ist eine Akku Stichsäge sinnvoll.

    Viele Grüße

    Antworten
  8. Michael

    Wobei mich ja mal ein direkter Vergleich oder Test im Sinne von
    Bosch power4all versus Einhell power x-change
    interessieren würde. Nicht nur im Bezug auf die Akkuzeit, sondern generell auf die Geräte 😉

    Antworten
    1. Riccardo DüringRiccardo Düring Beitragsautor

      Hallo Michael,

      solche Vergleiche wären schon was feines, nur leider bräuchte man dazu natürlich die entsprechenden Geräte. Dazu ist leider nicht jeder Hersteller bereit. Ein Werkzeug von Einhell hatte ich persönlich noch nicht in der Hand.

      Gruß Ricc

      Antworten

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