Zahl der Arbeitsunfälle auf dem Bau leicht gestiegen: wie kann Sicherheit gewährleistet werden?

Arbeitsschutz durch Arbeitsschuhe

Die aktuellen Nachrichten aus der Bauwirtschaft sind leider wenig erfreulich: wie Klaus-Richard Bergmann, Hauptgeschäftsführer der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) am 27. Juli 2017 in Berlin mitteilte, wurden im Jahr 2016 in Deutschland 104.820 Arbeitsunfälle in der Baubranche registriert, die meldepflichtig gewesen seien. Gegenüber dem Vorjahr handelt es sich um einen Anstieg von 2.487 Arbeitsunfällen. Laut Bergmann war dies allerdings auf eine generelle Erhöhung der Bautätigkeit zurückzuführen. Die Zahlen des statistischen Bundesamtes geben dem Geschäftsführer recht, allein im Hochbau konnte eine Zunahme der Baugenehmigungen gegenüber 2015 in Höhe von 5 Prozent verzeichnet werden. Je 1000 Beschäftigte gerechnet, konnte die Zahl der Arbeitsunfälle sogar reduziert werden, lediglich 55,29 Fälle wurden für diese Beschäftigungszahl im vergangenen Jahr durchschnittlich gemeldet – womit es sich um einen Rückgang um 0,36 Prozent handelt. Doch auch diese Entwicklung kann keinesfalls darüber hinwegtäuschen, dass jeder Arbeitsunfall mit persönlichem Leid und auch finanziellen Einbußen verbunden ist. Die Frage nach der Sicherheit auf dem Bau stellt sich daher in besonderem Maße.

Sicherheit auf dem Bau: anspruchsvolle Aufgabe

Die Voraussetzungen auf dem Bau sind in sicherheitstechnischer Hinsicht denkbar schlecht: es wird mit großen Lasten und schweren Maschinen gearbeitet, gleichzeitig kann der Aufbau nur provisorischer vorgenommen werden, als beispielsweise in einem Industrieunternehmen.

Fahrwege freihalten und Gefahren kennzeichnen

Fahrwege freihalten und Gefahren kennzeichnen

Aus diesem Grund sollte vor Beginn der Bauarbeiten für die Baustelle ein sogenannter Baustelleneinrichtungsplan erstellt werden. Darauf wird skizziert, wo welche Verkehrswege freigehalten werden müssen, an welcher Stelle die Baustoffe lagern oder Anschlüsse für Wasser und Strom zur Verfügung gestellt werden. Auf diese Weise werden unnütze oder zu lange Wege bereits im Vorfeld verhindert, was Ihre Arbeitsproduktivität und gleichzeitig die Sicherheit erhöht. Zudem muss dafür gesorgt werden, dass erforderliches Personal und Material zur Ersten Hilfe direkt vor Ort zur Verfügung stehen. Sogenannte Ersthelfer sollten namentlich und mit Rufnummer gut sichtbar ausgegangen werden. Ratsam ist es ebenso, eine kurze bebilderte Anleitung zur Ersten Hilfe bei Unfällen zur Verfügung zu stellen. Solche Aushänge sind bei Berufsgenossenschaften oder Berufsverbänden häufig kostenlos erhältlich.

Persönliche Schutzausrüstung tragen

Mindestens genauso wichtig sind persönliche Schutzmaßnahmen, damit Unfälle wenn möglich keine schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen haben. Zum Körperschutz kann ein schnittfester und brandhemmender Arbeitsanzug gehören, je nach Tätigkeit ist auch ein Staubanzug die bessere Wahl. Bei Arbeiten mit starker Staubentwicklung ist zudem eine Schutzbrille mit Seitenschutz unverzichtbar.

Ohne Sicherheitsschuhe birgt jeder Schritt Gefahr.

Ohne Sicherheitsschuhe birgt jeder Schritt Gefahr.

Um die Gefahr möglicher Verletzungen an den Händen zu reduzieren, sollten robuste Schutzhandschuhe aus Leder oder nitrilbeschichteter Baumwolle zum Einsatz kommen. Außerdem kann es bei bestimmten Tätigkeiten notwendig werden, eine Halbmaske mit P2-Filter aufzusetzen. Auch eine solche Maske dient dem häufig erforderlichen Staubschutz.

Unverzichtbar ist in diesem Zusammenhang natürlich auch der Schutz der Füße. Sicherheitsschuhe mit Schutzkappe verhindern nicht nur ein Einquetschen der Zehen, sondern sind zugleich resistent gegen Flüssigkeiten und viele Chemikalien; darunter Öl oder Benzin. Um bequeme Sicherheitsschuhe in den gängigen Sicherheitsklassen kommen Sie also nicht herum. Übrigens: zu den größten Gefahren gehört auch der Hörverlust durch starken Lärm. Das Tragen eines Gehörsschutzes gehört bei entsprechenden Arbeiten zur unverzichtbaren Ausstattung.

Hohe Ansprüche an Anlagen und Betriebsmittel

Weitere Schutzmaßnahmen betreffen die verwendeten Anlagen und Betriebsmittel. Beschädigte Maschinen sind unverzüglich instand zu setzen oder auszutauschen; Hebegurte oder -Seile müssen regelmäßig auf Beschädigungen hin untersucht werden. Die Stromversorgung muss sich auf zugelassene Speisepunkte beschränken, zudem müssen die Stromkreise über einen Fehlerstromschutzschalter abgesichert werden. Werden Kabeltrommeln verwendet, müssen diese über eine Überhitzungs-Schutzeinrichtung mit Freiauslöser verfügen. Außerdem ist es zwingend erforderlich, dass die Kabeltrommeln gegen das Eindringen von Spritzwasser geschützt sind. Auch Baustellenleuchten müssen schutzisoliert und gegen Strahlwasser isoliert sein, gleichzeitig aber für eine ausreichende Beleuchtung sorgen.

Mitarbeiter für Arbeitssicherheit sensibilisieren

In der Praxis sind es aber weniger technische Geräte oder eine fehlende Ausrüstung, welche Arbeitsunfälle verursachen; vielmehr ist es das Verhalten einiger Beschäftigter. In jedem Fall sollte eine Unterrichtung und Sensibilisierung der Mitarbeiter in Richtung Arbeitssicherheit erfolgen. Problematisch ist hierbei insbesondere die Arbeit mit Handwerkzeugen wie Handtrennschleifern, Kreissägen oder Mischmaschinen.

Mitarbeiter zum Tragen von Schutzausrüstungen sensibilisieren.

Mitarbeiter zum Tragen von Schutzausrüstungen sensibilisieren.

Bei der Bearbeitung von Werkstücken werden diese häufig nicht so fest eingespannt, wie es eigentlich erforderlich wäre. Zu den weiteren Problemschwerpunkten zählen Unfälle mit Fahrzeugen, eine mangelnde Absturzsicherung und zu schweres Heben und Tragen. Auch eine hochwertige persönliche Schutzausrüstung ist wenig hilfreich, wenn sie letztlich nicht getragen wird. Darauf sollte schon in eigenem Interesse bestanden werden; für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sind bekanntermaßen Sie als Arbeitgeber in den ersten sechs Wochen verantwortlich. Zudem ist es wahrscheinlich, dass die zuständige Berufsgenossenschaft das Ereignis insbesondere bei einem schweren Unfall genau überprüft. Wird das Fehlverhalten einiger Mitarbeiter nicht sanktioniert, könnte Ihnen das negativ ausgelegt werden.

Darüber hinaus ist der Schaden natürlich nicht nur finanzieller, sondern auch persönlicher und fachlicher Natur. Einige Arbeitsunfälle sind mit bleibenden gesundheitlichen Schäden verbunden, die dem Mitarbeiter und seinen Angehörigen natürlich erspart werden sollen. Zudem erfüllt jeder der Kollegen eine wichtige Aufgabe, ein Verzicht fällt insbesondere beim Arbeiten unter Zeitdruck nicht leicht. Mit einem sorgsamen Umgang und der richtigen Ausrüstung dürfte es aber auch auf Ihre Baustelle möglich sein, die Unfallzahlen in den kommenden Jahren wieder deutlich zu senken.

 

Bildquelle:
Titelbild: Pixabay von dimitrisvetsikas1969
Fahrwege: Pixabay von stux
Sicherheitsschuhe: Pixabay von Capri23auto
Hinweisschilder: Pixabay von Aintschie

4 Gedanken zu „Zahl der Arbeitsunfälle auf dem Bau leicht gestiegen: wie kann Sicherheit gewährleistet werden?

  1. Henry

    Hallo,
    Erstmal Klasse Beitrag!
    Ich denke gerade der Punkt „Mitarbeiter für Arbeitssicherheit sensibilisieren“ ist hier ausschlaggebend.
    Erfahrungsgemäß kann ich aber sagen, dass es in sehr vielen Fällen nicht an den Mitarbeitern liegt sondern an den Arbeitgebern, welche das Thema Arbeitsschutz einfach vernachlässigen.
    Gerade in Kleinbetrieben (Bis 10 Mitarbeiter) wird oft nicht ausreichend auf die Arbeitssicherheit geachtet, teilweise auch einfach weil die Inhaber meinten, sie müssten an dieser Stelle Geld sparen.
    Aber ich denke wir sind uns einig, dass man das Geld lieber an einer anderen Stelle sparen sollte, als an der Sicherheit der Mitarbeiter 🙂
    Beste Grüße
    Henry

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    1. Riccardo DüringRiccardo Düring Beitragsautor

      Hallo Henry,

      da ich aus dem Metallbereich komme, kenne ich das nur zu gut. Mitunter sind die Arbeitgeber nicht mal bereit für die Kosten an Arbeitsschutzkleidung aufzukommen. So musste ich mir in einer Firma meine Arbeitsschuhe selbst kaufen. Später wurden lediglich 20 € dazugegeben. Also entweder 8h in billigen Schuhen stehen oder selbst die Kosten übernehmen.

      Gruß Ricc

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  2. Arbeitshandschuhe

    Beim Thema Arbeitsschutz (PSA) ist es wirklich so, das genau dieser Punkt in den meisten Firmen vernachlässigt wird.

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