Zu Hause: Der wichtigste Ort der Welt

Haus im Grünen

Ein Haus, vier Wände, ein Dach! Aber ist es auch gleich ein „Zuhause“?

Das eigene Zuhause ist der wichtigste Ort der Welt, darüber sind sich alle einig. Da kann ich fragen, wen ich will. Es spielt auch keine Rolle, was man als sein Zuhause bezeichnet und wie andere dieses bewerten. Jeder hat seine eigene Definition davon, aber in einem Punkt ähneln sich fast alle: Physikalisch definiert ist das Zuhause durch ein Gebäude aus einem festen Mauerwerk, mit einem dichten Dach sowie Fenstern und Türen. Aber was macht dieses Haus genau zum Zuhause? Das Städtische Arbeitsamt hat doch auch vier Wände und ein Dach, nur warum würde ich mich dort nie wie zu Hause fühlen? Der Bausparfuchs würde da eine ganz einfache Antwort haben: „Es ist nicht deins, es gehört nicht dir, daher wirst du dort nie zu Hause sein!“ Da geben ich ihm voll und ganz recht. Und um zu schauen, was das Zuhause noch zum Zuhause macht, habe ich mal in der Redaktion gefragt, wie die das sehen.

Für unseren Chris ist der wichtigste Ort der Welt seine Wohnung:

Hier kann ich abschalten, ausruhen, Musik hören und herumlaufen, wie ich will. Es ist eine ruhige Wohnung, in einem alten Haus. Im Hof steht eine sehr große, sehr alte Rotbuche, die im Sommer Schatten spendet. Das Haus ist Baujahr 1895, es hat schon viel erlebt und wurde immer wieder umgebaut.

Der Aspekt der Ruhe und des Abschaltens spielt eine große Rolle, genauso wie die Möglichkeit der uneingeschränkten Bewegungsfreiheit. Außerdem ist für Chris das Zusammenspiel zwischen Gebäude und umliegender Natur sehr wichtig, genauso wie der Punkt mit der traditionellen Zeitlosigkeit. Sein Zuhause ist halt, wie es ist. Es braucht trotz vieler Veränderungen kein modernes Konzept, der Eindruck der Geborgenheit ist hier ausschlaggebend und selbstredend. Chris nennt auch die Plätze, die bei ihm zu Hause am wichtigsten sind:

Mein Lieblingsplatz in der Wohnung sind definitiv die Küche und meine alte Couch, aber auch die Fensterbank. Von dort sitzend kann man in den Wald und in den Garten mit seinen großen alten Bäumen sehen.

Der Grilldude weiß sein Zuhause auch klar zu definieren, auch ihm sind Stille und Naturimpressionen wichtig. Allerdings setzt sich bei ihm eher der Begriff der Heimat durch, was sich vom eigentlichen „Haus“ ein wenig löst:

Der für mich wichtigste Ort der Welt liegt in der Eifel und heißt Heimbach. An einem kleinen Fluss namens Rur befindet sich ein alter Campingplatz, auf welchem mein Vater seit etwa 30 Jahren einen Wohnwagen besitzt. Zuvor besaß meine Oma ebenfalls viele Jahre lang einen Wohnwagen auf dem selben Zeltplatz. Seit meinem ersten Urlaub in einem Alter von knapp sechs Monaten verbringe ich jedes Jahr mal mehr und mal weniger Zeit in Heimbach. Es ist für mich eine Art Zufluchtsort – nur ca. 1 1/2 Autostunden entfernt und doch fühle ich mich, als sei ich mitten in der Natur, unendlich weit von allen Großstädten und aller Hektik dieser Welt entfernt.

Okay, das „Haus“ kommt auch bei ihm vor, auch wenn es Räder hat. Aber er wäre ja nicht der Grilldude, wenn der Campingwagen für ihn nicht wichtig wäre.

Wie unterschiedlich die Vorstellungen von „Zuhause“ sein können, habe ich selbst mal erlebt, als ich mich mit einem Freund zum Telefonieren verabredet hatte und wir uns zum besagten Zeitpunkt nicht erwischen konnten:

Er: „Ich dachte, du wolltest um Drei zu Hause sein?“
Ich: „Ich war um Drei zu Hause.“
Er: „Ich habe bei dir zu Hause angerufen, und du warst nicht da.“
Ich: „Ich war die ganze Zeit da.“
Er: „Aber deine Eltern haben gesagt, du bist in deiner Wohnung!“
Ich (verwirrt): „Ja, ich war zu Hause… und nicht bei meinen Eltern!“
Er: „Ja, aber, wenn du in deiner Wohnung bist, und nicht bei deinen Eltern, dann bist du nicht zu Hause!“

Dieses Gespräch haben zwei erwachsene Männer Mitte Zwanzig geführt und macht deutlich, wie unterschiedlich die Dinge sein können, die das Zuhause zum Zuhause machen. Ich habe mich an die Sichtweise meines Freundes mittlerweile gewöhnt, und finde, dass es ein sehr schönes Beispiel ist. Und: ich werde es wieder aufkommen lassen, sollte es mal eine Blogparade zum Thema „Hotel Mama“ geben.

(Bild: gabriele Planthaber  / pixelio.de)

3 Gedanken zu „Zu Hause: Der wichtigste Ort der Welt

  1. AvatarAnna

    Das Thema „ZUHAUSE“ lässt sich in der Tat recht philosophisch erörtern 😉
    Bin etliche Male schon umgezogen und der Begriff daheim kommt dann trotzdem schnell auf, auch wenn man sich manchmal nicht zuhause fühlt.
    Für mich ist Zuhause dort wo man sich wohlfühlt und etwas bleibt selbst wenn man wieder wegzieht.

    Antworten
  2. AvatarAndy

    Das stimmt! Wir sind aktuell beim Hausbau und obwohl wir da noch nicht wohnen, hat man bereits eine Art „Zuhause“ Gefühl. Und um so weniger fühle ich mich in der jetzigen Wohnung wohl.

    Ich denke, dass es sehr auf das Gefühl / Stimmung und weniger auf das Gebäude / Ort ankommt.

    Antworten
  3. AvatarAndreas

    Ich denke, es spielt folgendes eine Rolle:

    1. Es muss dir gehören
    2. Es muss wie für dich gemacht sein
    3. Es muss für dich gemacht sein
    4. Du willst nicht mehr woanders wohnen

    Früher habe ich immer frei nach Seume gesagt: Wo gesungen wird, gelle, da kannst dich ruhig niederlassen.

    Heute ist mir das zu laut…

    XD

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Spamschutz, bitte vervollständigen Sie die Rechenaufgabe: * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.